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Ukrainische Bricolage. Wie die Kulturszene der Ukraine dazu beiträgt, ihr Land zu verteidigen

Die Fähigkeit zur Selbstorganisation zählt zu den wichtigsten Eigenheiten der politischen Kultur in der Ukraine und seit dem 24. Februar lässt sich dies gerade auch in der Kulturszene beobachten:

Zahllose ukrainische Kreative innerhalb und außerhalb der Ukraine versuchen mit ihren Fähigkeiten und im Rahmen ihrer Möglichkeiten dazu beizutragen, ihr Land zu verteidigen: Sie erfinden Memes, entwerfen Sujets, designen T-Shirts und entwickeln Kampagnen, die auf die Stimmung in der Ukraine einwirken, die öffentliche Meinung im befreundeten Ausland beeinflussen sollen oder auch für Crowdfunding verwendet werden können. Vertreterinnen und Vertreter der Kulturszene dokumentieren aber auch Zerstörungen, widmen sich in Kunstwerken den kreativen Facetten des ukrainischen Widerstandsgeists oder organisieren Raves in zerstörten Häusern, bei denen Hunderte nicht nur tanzen, sondern vor allem kollektiv aufräumen und renovieren.

Ukrainische Bricolage soll einen historisch kontextualisierten Überblick über diese kreativen Aktivitäten liefern. Geplant sind dabei vier Präsentationen von konkreten Projekten/Arbeiten sowie eine abschließende Diskussion über die Rolle und das Selbstbild von ukrainischen Kulturschaffenden in Kriegszeiten.

 

PROGRAMM

10 Uhr

Schenja Moljar (Zhenya Molyar) (Kyjiw/Rom) in Präsenz: „Zum kulturelle Erbe der Sowjetzeit in der Gefahrenzone“

Die auf das modernistische Erbe der Ukraine spezialisierte Kunsthistorikerin, in der Vergangenheit auch Direktorin des Kunstmuseums in Kmytiw (Region Schytomyr), katalogisiert gemeinsam mit KollegInnen im Rahmen des „Selbstorganisierten Kunstprojekts DE NE DE“ durch den Krieg bedrohte Kulturschätze und war auch in die Evakuierung von musealen Sammlungen involviert. https://www.facebook.com/denedenede

11 Uhr

„Repair Together“ (Kyjiw) mit Videos/Zoom-Schaltung: „Wie mit improvisierten Raves im Kollektiv zerstörte Gebäude wieder aufgebaut werden“

Die ukrainische Techno- und Raveszene zeichnete sich in den letzten Jahren durch ihre besondere Vitalität aus, Kyjiw wurde wiederholt als ein neues Berlin porträtiert. Während die letzten Kriegsmonate den üblichen Party-Betrieb unmöglich gemacht haben, setzt die Szene deutliche Zeichen: AktivistInnen organisierten „Repair Together“ und laden zu improvisierten Raves ein, bei denen kollektiv unter anderem zerstörte Gebäude aufgebaut oder renoviert werden sollen. https://www.instagram.com/repair.together/

13.00 Uhr

 Ihor Hussjew (Igor Gusev) (Odessa) in Präsenz: „Das Kunstprojekt „Series 3 World War 2022“: Dokumentation von Krieg und bissige Kommentare zur Rolle der russischen Kultur“

Der 1970 geborene Maler und Konzeptkünstler Hussjew zählt zu einem der wichtigsten Vertreter der bildenden Kunst seiner Heimatstadt, die sich einen besonderen Humor auszeichnet. Hussjew bleibt dieser Tradition selbst jetzt treu: Seit dem 24. Februar produziert er fast täglich Collagen, die denen er bissig den Krieg  kommentiert. Der Künstler verweist dabei insbesondere auch auf die Rolle der russischen Kultur – in vielen Fällen dienen kanonische russische Gemälde des 19. Jahrhunderts als Ausgangspunkt. https://www.facebook.com/igor.gusev.5

14.00 Uhr

Marija Norasjan (Maria Norazian) (Charkiw/Graz) in Präsenz: „Design als Mittel zur Erhöhung der Sichtbarkeit der Ukraine“

Auch in Österreich lebende Designerinnen leisten für die visuelle Kommunikation und Positionierung der Ukraine wichtige Beiträge, um die Sichtbarkeit der Ukraine im Ausland zu erhöhen. Einer der wichtigsten Arbeiten in Österreich waren eine von der Grafikerin und Designerin Marija Norasjan ukrainisch gestaltete Straßenbahn, die derzeit in Wien unterwegs ist. http://grafprom.com.ua/about/

15.00-15.45 Uhr

Abschlussdiskussion mit  Ihor Hussjew, Schenja Moljar und Marija Norasjan

 

Konzept: Peter Deutschmann, Herwig G. Höller

Bildnachweis: © Marija Norasjan