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STATISTIK IN DER MUSIK – WIE KÜNSTLICHE INTELLIGENZ FÜR KOMPOSITION GENUTZT WERDEN KANN: Florian Sobieczky

Theorien zum Wohlklang musikalischer Klänge gibt es seit der griechischen Antike. Insbesondere wurde der Begriff der Dissonanz oft im Lichte der Schwebungsphänomens zweier reiner Töne mit eng benachbarten Frequenzen verstanden und somit die Konsonanz von komplexen Tönen als Zusammenspiel der paarweise auftretenden Schwebungen reiner Obertonpaare. Obwohl es in der Psychoakustik zahlreiche Erkenntnisse über die Rolle weiterer Bestandteile vom Wohlklang als intersubjektiv prüfbares Ereignis gibt, lässt sich „Rauhigkeit“ doch als wesentliche Klangeigenschaft von Musik und somit auch als Stilmittel von Komponisten nachweisen. Wie nutzt nun die Komponistin oder der Komponist diese Erkenntnisse? Lernt z.B. ein Deep Learning Modell eine bestimmte Kompositionsweise, so werden eine Vielzahl zusätzlicher Features (d.h. Klang-, Rhythmus-, Betonungseigenschaften etc.) trainiert, die zum größten Teil nicht in der Theorie über die Rauhigkeit enthalten sind. Sollte daraus die Lehre gezogen werden, als Künstler besser nicht auf theoretisches Fachwissen zurückzugreifen, weil die Theorie ohnehin nur einen Teilaspekt abdeckt?

In diesem Vortrag wird gezeigt, wie das Vorhandensein einer – möglicherweise sehr naiven – Theorie, die nur teilweise „richtig“ ist, in der Komposition als Ausdrucksmittel genutzt werden kann, indem die Voraussagen eines entsprechend trainierten Deep Learning Modells benutzt werden. Dieses Vorgehen repräsentiert gleichzeitig eine Möglichkeit zur „Erklärbaren Künstlichen Intelligenz“ (XAI – Explainable Artificial Intelligence).

Florian Sobieczky forscht und lehrt am Software Competence Center Hagenberg (SCCH) in Oberösterreich.

Dieser Vortrag findet im Rahmen der neuen Reihe „Musik & Mathematik“ statt, die sich sich mit den interdisziplinären Ansätzen und Perspektiven zwischen Musik und Mathematik beschäftigt . Die Durchführung und Gestaltung erfolgt gemeinsam mit internationalen Expertinnen und Experten aus den Bereichen Mathematik, Statistik, Computerwissenschaften, Komposition und Musikforschung und eröffnet Einblicke in die aktuellen Forschungen und Entwicklungen in den Grenzbereichen zwischen den Wissenschaftssparten. Die jeweiligen Vorträge sind auch Teil einer disziplinübergreifenden Lehrveranstaltung, in der an den Schnittstellen der Disziplinen jeweils Themen aus dem Forschungsumfeld der eingeladenen Vortragenden diskutiert werden.

Idee und Leitung Reihe „Musik & Mathematik“:

  • Arne Bathke (Statistiker, Data Scientist, Leiter PB (Inter)Mediation | FB Mathematik & SciTecHub Itzling, Universität Salzburg)
  • Katarzyna Grebosz-Haring (Systematische Musikwissenschafterin| Department Musikpädagogik, PB (Inter)Mediation | Mozarteum Salzburg)
  • Martin Losert (Musikpädagoge, Saxophonist, Leiter Department Musikpädagogik, Leiter PB (Inter)Mediation | Mozarteum Salzburg)

Eine Zusammenarbeit von (Inter)Mediation mit dem Fachbereich Mathematik der Universität Salzburg