ÖFFENTLICHE RINGVORLESUNG: Gestaltungsdimensionen von Bildung – ästhetisch/praxeologisch

Arnd-Michael Nohl: Ästhetische Erfahrung und die Materialität von Bildungsprozessen. Pragmatistische Reflexionen zu Orhan Pamuks Roman „Das Museum der Unschuld“

In dem Vortrag geht es um transformative Bildungsprozesse, die durch ästhetische Erfahrungen mit materiellen Dingen in Gang gesetzt werden. Im Mittelpunkt steht dabei der Roman „Das Museum der Unschuld“ des türkischen Nobelpreisträgers Orhan Pamuk. Pamuk erzählt darin die Geschichte von Kemal, der nach dem Verlust seiner Geliebten ein eigentümliches Interesse für alle materiellen Dinge entwickelt, die sie einst berührt hat. Indem er auf verschiedene Weise mit ihnen interagiert, wird Kemal schließlich zu ihrem unermüdlichen Sammler, vernachlässigt seine Pflichten als Unternehmer und eröffnet schließlich ein Museum, das die Überreste seiner Geliebten ausstellt und an das Istanbul vergangener Zeiten erinnert. In dem Vortrag werde ich diese Geschichte von Kemal als einen Bildungsprozess deuten, der durch ästhetische Erfahrungen mit materiellen Dingen angestoßen wird. Zugleich möchte ich aber einige grundsätzliche Überlegungen zum Verhältnis von Bildung und materiellen Dingen zur Diskussion stellen, mich mit der Frage auseinandersetzen, welchen Wert Romane für die empirische und theoretische Forschung haben, sowie auch den Autor des Romans und das, was ihn mit Kemal verbindet, nicht ganz außer Acht lassen.

Arnd-Michael Nohl, geb. 1968, studierte Erziehungswissenschaft, Islamwissenschaft und Psychologie in Heidelberg, Ankara und an der Freien Universität Berlin. Dort wurde er 2001 mit einer Dissertation zu Jugendkulturen im Migrationskontext promoviert. 2006 habilitierte er sich an der Universität Magdeburg mit einer empirisch-rekonstruktiven Untersuchung zu spontanen Bildungsprozessen. Von 1997 bis 2001 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FU Berlin, von 2001 bis 2004 als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Magdeburg, von 2004 bis 2006 als Juniorprofessor für interkulturelle Bildungsforschung an der FU und seither als Professor für Erziehungswissenschaft, insbesondere systematische Pädagogik, an der Helmut Schmidt Universität, Hamburg.

 

Die Ringvorlesung diskutiert Gestaltungsdimensionen von Bildung. Sie wendet sich insbesondere an alle Lehramtsstudierenden sowie an alle Studierenden und Lehrenden, die an aktuellen disziplinüberschreitenden Gestaltungsfragen von Bildung als Formgebungsprozess interessiert sind. Die hier verhandelten Themen verstehen sich als Beitrag zu einer interdisziplinär angelegten Bildungsforschung. Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Salzburger Bildungslabore, eines Projektes von Universität Salzburg und Pädagogischer Hochschule Salzburg, und des Programmbereichs Figurationen des Übergangs der Interuniversitären Einrichtung Wissenschaft & Kunst zwischen Universität Salzburg und Universität Mozarteum. Beide Einrichtungen operieren jeweils an den Schnittstellen von Universität und Schule sowie Wissenschaft und Kunst.

Alle Studierenden erleben unabhängig von ihrer Disziplin einen Bildungsprozess. In der Ringvorlesung sind deshalb auch die Auswirkungen des hochschulischen Erkenntnisprozesses für die Lehrer*innenausbildung, die hochschulische Ausbildung und die hochschulischen Prozesse insgesamt zu beleuchten. Dazu sollen Vertreter*innen der Bildungs- und Erziehungswissenschaften, der Wissenschaftsforschung und Philosophie, Literaturwissenschaften und Ästhetik, Physik und Sportwissenschaften, Kunstgeschichte und Geschichtswissenschaften sowie der Fachdidaktiken zu Wort und ins Gespräch kommen.

 

Zeit / Ort: 2. März bis 22. Juni 2022, jeweils am Mittwoch 17.00 s.t. bis 18.30 Uhr, Unipark Nonntal, Erzabt Klotz-Str. 1, HS 3 Georg Eisler (E.003)

Konzeption, LV-Leitung: Ulrike Greiner, Werner Michler, Fabio Nagele, Romana Sammern

Bildnachweis: André-Henri Dargelas (1828–1906): Le tour du monde (Ausschnitt). Öl/Leinwand, 46 x 37,5 cm. Privatsammlung. Foto Arnd-Michael Nohl: Center for Global Studies.