Ielizaveta Oliinyk, M.A. BA

Ielizaveta Oliinyk hat Journalismus und Theaterwissenschaft studiert. Sie arbeitete als Journalistin in den ukrainischen Medien und im NGO Bereich. In Deutschland hospitierte und assistierte sie an der Oper Köln, im Ballhaus Ost, Maxim Gorki Theater und Badischen Staatstheater Karlsruhe. In der Ukraine hat sie Dokumentartheaterprojekte inszeniert, einige von ihnen mit den Binnenflüchtlingen und einem Soldaten, der als Sanitäter seinen Militärdienst im Kriegsgebiet der Ostukraine leistete. Als freie Regisseurin realisiert sie auch Kinoprojekte.

 

Dissertationsvorhaben:

Dokumentarisches Theater und gesellschaftliche Transformation
Zeitgenössisches Theater in der Ukraine

Erstbetreuer: Univ.-Prof. Dr. Peter Deutschmann, Paris-Lodron-Universität Salzburg, Fachbereich Slawistik

Zweitbetreuerin: Univ.-Prof.in Ulrike Hatzer, Universität Mozarteum Salzburg, Schauspiel/Regie – Thomas Bernhard Institut

 

Abstract

Abstract

Politische und gesellschaftliche Transformationsprozesse, wie etwa die Revolutionen und Kriege steigern die Popularität dokumentarischer Theaterformate. Es lässt sich feststellen, dass Dokumentarformen besonders in Umbruchzeiten, wenn sich die sozialpolitische Lage im ständigen Wandel befindet, an Aktualität gewinnen. In dieser Zeitspanne steigt das  politische Engagement der Künste, besonders im Kino- und Theaterbereich, das sich in der aktiven Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit widerspiegelt.

Im Fokus meiner Analyse stehen ukrainische Dokumentartheaterinszenierungen aus den Jahren 2014 – 2020. Die ausgewählten Performances beziehen sich auf Themen wie Flucht, Krieg und gesellschaftliche Konflikte in der Ukraine: auf Probleme der Binnenflüchtlinge und Resozialisierung von SoldatInnen, die an der Anti-Terror Operationen in der Ostukraine teilgenommen haben; den Mangel an Dialogkultur zwischen verschiedenen Teilen der Gesellschaft, oder die Bearbeitung der Vergangenheitstraumas (blutige Revolutionsereignisse auf dem Maidan und Kriegserfahrung).

Im Zentrum meiner Untersuchungen stehen verschiedene Theaterstücke und Inszenierungsformate, die tendenziell dem Bereich des „Dokumentartheaters“ zuzuordnen sind: Verbatimstücke, Zeugentheaterinszenierungen („theater of witness“); interaktive Inszenierungen, bei denen das Publikum selbst in die Handlung eingreift oder an einer Handlung beteiligt wird (Audiowalk); und zuletzt Mischformen, bei denen sich Fiktion und persönliche Biografien verbinden.

Das zentrale Forschungsinteresse besteht darin, herauszufinden, wie die Erzählung über politische Umbrüche der Jahren 2014-2020 in den verschiedenen Dokumentargenres konstruiert wird. Dabei ist es wichtig, Nachhaltigkeit und ethische Dimension der ausgewählten Theaterprojekte zu überprüfen: Bergen die Inszenierungen das Risiko, bestehende gesellschaftliche Krisen, Spaltungen und Vorurteile zu verstärken? Laufen die Projekte Gefahr, die traumatischen Erfahrungen der Beteiligten zu missbrauchen?

Neben den Inszenierungsanalysen werden auch die Erzählprozesse in den analysierten Inszenierungen untersucht, qualitative Interviews mit den DramaturgInnen und RegisseurInnen geführt, meine eigene Erfahrung als Regisseurin der Theaterprojekte mit den ZeugInnen thematisiert und die politischen und kulturellen Kontexte beschrieben.

 

 


 

Documentary theater and its social significance in the times of political crisis

It is noticed that political upheavals cause an increase in public interest to and therefore popularity of various forms of documentary theater. Times of dramatic socio-political context are the  times when  political engagement in the art, especially in cinema and theater, is on the rise.

In my doctoral thesis I will analyze the most relevant Ukrainian documentary theater productions of 2014 – 2020 (since the beginning of the Euromaidan revolution and the war in the Eastern Ukraine)  specializing in the influx of refugees, the war, social rehabilitation of Ukrainian soldiers, the culture of dialogue  between different parts of the society etc.

I analyze different theater formats that can be referred to the genre of documentary theater: verbatim plays, theater of witnesses, interactive performances and mixed formats which combine fiction and personal biographies.

The research question is to find out how the narrative on Ukrainian political upheavals of 2014-2020 is construed in selected documentary theater productions. Thereby it is essential to examine the sustainability and ethical dimension of these theater projects, and analyze their potential risks of contributing to an even more severe social crisis, by highlighting  divisions and prejudices or parasitizing on the vulnerability and traumatic experiences of the performers.

Empirical methods, in particular in-depth interviews, performance analysis and narrative analysis of stories in selected performances are intended to be main methods of this research. I will also describe political and cultural context in which these theater projects were realized and apply my own experience as director of performances with the theater of witnesses.

 

Short biography

Ielizaveta Oliinyk studied journalism and theater. She worked as a journalist in Ukrainian mass media and NGO sector. In Germany she made an internship at Cologne opera and worked as an assistant of theater director at Ballhaus Ost, Maxim Gorki Theater and Badischen Staatstheater Karlsruhe. In Ukraine she directed documentary theater productions, some of them with internally displaced persons and a soldier who had his military service as a paramedic in war zone in Eastern Ukraine. She is also a director of cinema projects.