Mag.a art Anna Stadler

Anna Stadler ist 1992 in Oberndorf bei Salzburg geboren. Sie hat Bildnerische Erziehung (Bildhauerei), Germanistik, Literatur- und Kulturwissenschaft am Mozarteum und der Paris Lodron Universität Salzburg studiert und ist verschiedenen Tätigkeiten im künstlerischen, kulturellen und pädagogischen Bereich nachgegangen (kunstpädagogische, künstlerische und kuratorische Projekte, Unterrichtstätigkeit, Sozialarbeit, Mitarbeit in dem Kunstraum fünfzigzwanzig, literarische Veröffentlichungen in mosaik, zuendeln, erostepost u.a.). Aktuell lebt und arbeitet sie in Salzburg.

 

Dissertationsvorhaben:

Narrative der Unbestimmtheit, Ambiguität und Transition.
Studie ephemerer künstlerischer Situationen und Prozesse

Abstract

In diesem Forschungsprojekt sind experimentelle und zeitgenössische künstlerische Arbeiten und Projekte von Interesse, die einen temporären, transitiven Charakter aufweisen und als situation-specific anzusehen sind, insofern als eine Auseinandersetzung mit dem Kontext als Ausgangspunkt, störendes Element, Hindernis und Inspiration stattfindet. Dabei werden Narrative und Ästhetiken der Transition, der Unbestimmtheit und der Ambiguität herausgearbeitet und die Arbeiten und Projekte werden dahingehend untersucht, inwieweit sie aufgrund ihrer probierenden und ausverhandelnden Beschaffenheit hybride Potentialitäten auftun. Es stehen Kunstprojekte im öffentlichen Raum und in den „Nischen“ im Fokus, welche die Form temporärer Interventionen und Aktionen, performativer Projekte, veränderter Raumnutzungen, alternativer Handlungsarten und experimenteller Erfahrungs- und Kunsträume annehmen können. Dies können einerseits internationale, temporäre Projekte wie Francis Alÿs Arbeit When Faith Moves Mountains in Lima sein, ebenso wie die andererseits „nahegelegenen“ ephemeren Projekte im Rahmen der Biennale minus20degree in Flachau/Salzburg, temporäre Aktionen der Initiative white club oder künstlerische Probierräume und Zwischennutzungen wie das kvatier in der Rauchmühle in Salzburg. Als Grundlage dienen kunsttheoretische und kulturwissenschaftliche Theorien von Claire
Doherty, Suzanne Lacy, Michael Warner, Gayatri Spivak, Claire Bishop, Séverine Marguin und Martina Löw.
Die erste These, mit der sich dieses Forschungsprojekt befasst, lautet, dass die mit dem transitiven, temporären und situations-spezifischen Charakter der untersuchten Arbeiten und Prozesse einhergehende Unbestimmtheit und Ambiguität einerseits eine stärkere Verunsicherung sowie Irritation und unter Umständen auch prekäre Situationen und Krisen erzeugen, andererseits diesen Projekten aber auch eine lebendige Potentialität und Flexibilität eingeschrieben ist, die permanentere und klarer definierte Strukturen teils nicht aufweisen und welche Diskursen des probierenden und experimentellen Ausverhandelns Raum geben.
Weiters wird der These nachgegangen, dass Narration hierbei als eine Möglichkeit der Dokumentation ephemerer künstlerischer Prozesse und Situationen methodisch nutzbar gemacht werden kann, indem in Form von Gesprächen mit Künstler*innen, Partizipierenden und Rezipierenden ein Erzählen über die temporären, transitiven Momente und Situationen möglich wird, welches festhält, sich aber dennoch durch das, dem Erzählen inhärente, Potential der Unbestimmtheit der ungefestigten Form der Arbeiten und Projekte anpasst.

 


 

Narratives of Indetermination, Ambiguity and Transition

A study of ephemeral art situations and processes

This research project will examine experimental and contemporary works of art and art projects, which feature a temporary, transitive character and are regarded as situation-specific, meaning they consider context as a starting point, disturbing element, obstacle and inspiration. Narratives and aesthetics of transition, indetermination and ambiguity will be examined to see whether they offer hybrid potentiality because of their testing and negotiating qualities. There will be a focus on art projects in public spaces and in niches, which can take on the form of temporary interventions and actions, performative projects, changed use of space, alternative ways of action and experimental art spaces. These could be international, temporary projects like Francis Alÿs’s work When Faith Moves Mountains, on the one hand, or local ephemeral projects in the framework of the biennial arts festival minus20degree in Flachau/Salzburg, temporary projects of the initiative white club or interim use like the kvatier in Salzburg’s “Rauchmühle” on the other. The theories of Claire Doherty, Suzanne Lacy, Michael Warner, Gayatri Spivak, Claire Bishop, Severine Marguin and Martina Löw will serve as a basis for this thesis.
One assumption is that along with the transitive, temporary and situation-specific character of the examined works and with the processes of prior indetermination and ambiguity comes a stronger uncertainty and irritation as well as precarious situations and crises that could possibly arise. But these projects can also carry a vital potentiality and flexibility, which more permanent and more clear-cut structures would not show and which offer a discourse of experimental debate. Furthermore, the assumption that narration works as an opportunity for documenting ephemeral art processes and situations – and can be used methodically – will be explored. Through conversations with artists, participants and recipients a narration about temporary, transitive moments and situations will be made possible, which documents but also adjusts to the uncertain form of the works and projects, through the potential of indetermination that is inherent to narration.

Short biography

Anna Stadler was born in 1992 in Oberndorf/Salzburg. She studied art (sculpting), German (language and literature studies), literary and cultural studies at the Mozarteum and at Paris Lodron Universität Salzburg. She has practiced several different occupations in the art, culture and education sectors (art education, art and curatorial projects, teaching, social work, participation in the art space fünfzigzwanzig, literary publications in mosaik, erostepost, zündeln itd.).