Forschungsprojekt

Chorgesang bei Patienten/innen mit Parkinson

 Erarbeitung von Leitlinien/Empfehlungen für effiziente Anwendung

Projektteam: Günther Bernatzky, Katarzyna Grebosz-Haring, Franz Wendtner und Klaus Kieslinger

In Kooperation mit der Paracelsus Medizinische Universiät Salzburg und der Diakonie Salzburg

Parkinson ist vorwiegend eine Erkrankung des höheren Alters. Insgesamt leiden in Österreich etwa 16.000 Patient/innen daran. Das entspricht ca. 0,1 % der Bevölkerung der über 50-jährigen. Neben den motorischen und Sprachdefiziten treten auch psychische Symptome auf. Diese finden sich meist zwischen dem 50. und dem 60. Lebensjahr. Der Mangel an Dopamin ist die Hauptgrundlage der modernen Parkinson-Therapie. Der physiologische Anteil der Parkinson Störung ist heute gut mit Medikamenten in den Griff zu bekommen. Bedeutend bessere Erfolge erzielt man nur bei begleitender musikbezogener Intervention. Vorteilhaft erscheint beispielsweise ein regelmäßiges Chorsingen unter professioneller Anleitung mindestens zweimal pro Woche für einen Zeitraum von einem Jahr. Die musik-induzierte, rhythmische Bewegung, die aktive Körperhaltung, die im Vergleich zum Sprechen differenziertere Beanspruchung des Vokalapparats und der Atmung und nicht zuletzt die weit überwiegend positive Affektivität weisen das Singen als eine komplexe, ökologisch valide und auch auf psychosozialer Ebene wirksame Form zwischenmenschlicher Interaktion aus.
Kurzum: viele der für Menschen mit Parkinson-Erkrankung relevanten therapeutischen Ziele werden durch diese Gruppenaktivität vermutlich besser erreicht. Gemeinsames Singen stimuliert dabei zahlreiche körperliche Systeme sowie darüber hinaus Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Kognition. Die synchronisierten Bewegungen sind in verschiedenen Studien auch mit einer erhöhten Schmerztoleranz assoziiert worden und können bei der Aufrechterhaltung der motorischen Leistungen bei Menschen mit Parkinson-Krankheit von Vorteil sein.
Singen verbessert weiteren systematischen Beobachtungen zufolge bei vielen Patienten/innen die Immunabwehr. Die Ergebnisse zeigen deutliche Verbesserungen verschiedener  Gesundheitsindikatoren auch im nachhaltigen Verlauf. Dabei führt zusätzlich regelmäßiges Hören gezielt ausgewählter stimulierender Musik zu einer verstärkten Durchblutung bestimmter Gehirnareale. Es wird u.a. Dopamin ausgeschüttet. Bei plötzlichen Blockaden hilft etwa der pointierte Rhythmus des Radetzkymarsches in einer raschen Weise, die man mit keinem Medikament in so kurzer Zeit bislang erreichen konnte.
Im Rahmen dieses randomisierten Pilot-Projektes soll untersucht werden, (a) wie lange der Effekt nach dem Chorgesang auf die Verbesserung der motorischen Leistung bzw. auf andere Symptome bei der Parkinson`schen Erkrankung (z.B. Depression, soziale Aspekte, psychische Befindlichkeit), (b) wie hoch die Compliance der Patienten/innen und (c) wie hoch der Medikamentenverbrauch ist. Außerdem ist zu klären, wie häufig der Chorgesang sinnvoll geprobt werden kann, bis eine Abschwächung (Toleranz) der Wirkung entsteht. Die Stressreduzierende Komponente sollte mittels biochemischer Bestimmungen von Cortisol und ACTH festgehalten werden.
Zur Objektivierung dieser Studie werden zwei Gruppen mit je 20 Patienten/innen randomisiert zugeteilt, wobei Gruppe zwei als Kontrollgruppe einer rezeptiven Musikintervention unterzogen wird. Insgesamt lässt die Studie auf einen Beweis der Verbesserung der Lebensqualität und des
Wohlbefindens bei Patienten/innen hoffen.
Die Ergebnisse der vorliegenden Studienplanung sollen auch den REHA-Zentren zur Unterstützung angeboten werden. Publikationen und Kongressvorträge sind geplant.


Pressemeldungen:
Hallwirth, Lena_Im Chor gegen Parkinson_in_Science Orf_07.12.2019

Wissen aktuell OE1_06122019 _13.55Uhr_Weltraum,Chor

Ruep, Stefanie_Singen soll Parkinson Patienten helfen_ in_Der Strandart_23.11.2019