Vortrag

Silke Felber: Unlearning Smells. Zum epistemisch irritierenden Potenzial olfaktorischer Künste

Was, wenn wir die gegenwärtige polykrisenhafte Konstellation aus planetarer Umweltzerstörung, extraktivem Kapitalismus und ungleich verteilter Vulnerabilität nicht primär visuell, sondern olfaktorisch wahrnehmen würden? Welche Formen von Wissen entstehen, wenn wir Geruch als ernstzunehmenden Modus der Weltaneignung begreifen?

Vor dem Hintergrund einer longue durée „westlicher“ Erkenntnistraditionen, in denen olfaktorische Erfahrung zwar wirksam ist, zugleich jedoch systematisch reguliert, deautorisiert, in visuelle Evidenz übersetzt sowie für Projekte der Stigmatisierung instrumentalisiert wird, richtet Silke Felber den Blick auf das epistemisch irritierende Potenzial von Duft und Gestank. Ausgehend von historischen Fallstudien und aktuellen künstlerischen Arbeiten entfaltet sie Geruch als eine Form des Wissens, die eingeübte Wahrnehmungsordnungen verlernbar macht: als epistemische Praxis, die Nähe erzwingt, Affekte mobilisiert und atmosphärische Gewalt unmittelbar erfahrbar werden lässt – dort, wo Bild und Sound an ihre Grenzen stoßen.

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Konzeption: Iris Laner, Johanna Zorn

Bildnachweis: Rashid Johnson: The Sweet Fly Paper (Detail). 2012. Guggenheim New York. Foto: Silke Felber.