VERSCHOBEN! Gespräch und Lesung mit Musik

Die Sieben Todsünden der Donaumonarchie - Der Unsterblichkeitsclown

„An meine Auferstehung glaube ich wahrlich nicht mehr, im übrigen pfeif ich drauf.“ So schrieb Adalbert von Goldschmidt 1904 an Arnold Schönberg. Noch zehn Jahre zuvor hatte Hermann Bahr den „Goldschmidtismus“ ausgerufen und prophezeit, dieser Dichterkomponist sei ein Prophet der Moderne. Doch am Verschwinden der Werke dieses „jüdischen Wagnerianers“ änderte auch ein Nachruf von Karl Kraus nichts, der in der Fackel dazu aufrief, der „systematischen Misshandlung“ posthum entgegenzuwirken. Über 120 Jahre lang war Goldschmidt völlig vergessen. Erst 2024 haben Sophie Rois und Christian Filips an der Berliner Volksbühne Goldschmidts Oratorium Die sieben Todsünden (nach einem Libretto von Robert Hamerling) wieder zur Aufführung gebracht. Der Beginn einer Wiederentdeckung?

An diesem Abend begeben sie sich in die Archive und spüren unbekannte Zeugnisse der frühen Wiener Moderne auf. Sie lesen aus Satanische Himmelfahrt, einem unveröffentlichten Versdrama, in dem die untergehende Habsburgermonarchie, antisemitische Verschwörungstheorien und der aufkommende Sozialdarwinismus verspottet werden. Dazu spielt der koreanische Pianist Dongkyu Leo Kim Stücke von Goldschmidt, Franz Liszt, Felix Petyrek und Arnold Schönberg. Im einführenden Gespräch mit Werner Michler werden die historischen Hintergründe erläutert.

18 Uhr Die Sieben Todsünden der Donaumonarchie. Christian Filips und Werner Michler im Gespräch über Robert Hamerling, Adalbert von Goldschmidt und die österreichische Literatur der frühen Moderne

19 Uhr Der Unsterblichkeitsclown. Sophie Rois und Christian Filips lesen und singen Adalberg von Goldschmidt und seine Zeitgenossen Karl Kraus, Hugo von Hofmannsthal, Arnold Schönberg. Klavier: Dongkyu Leo Kim

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Konzeption: Werner Michler, Christian Filips. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Verein „Mundwerk“ statt.

Bildnachweis: László Frecskay: Titelblatt von Die Bombe: Adalbert von Goldschmidt, Komponist der 7 Todsünden (Titelblatt von „Die Bombe“), 1877. Wien Museum, Inv. Nr. W 2247