Sophie Jentsch

Sugar Mama Lockdown Edition

Im Rahmen der Lehrveranstaltung Der Körper als Kunstobjekt von Romana Sammern habe ich mich mit der Frage beschäftigt, wie ich die Performance Sugar Mama (2020) von Sophia Süßmilch im aktuellen Lockdown nachstellen könnte.

Meine Mama lebt in Deutschland, ich in Österreich. Die Grenzen sind momentan schwer zu überqueren. Wie könnte ich dennoch Nähe herstellen? Wie kann ich dennoch Streusel von ihrem Körper lecken in einer Zeit, in der wir nur über elektronische Hilfsmittel kommunizieren können? Wie kann ich meiner Mutter auch in meinen eigenen vier Wänden einen Körper geben? Wie verändert das den Bezug zu ihrem Körper? Die Rahmenbedingungen sind so gut wie möglich in meinem Wohnzimmer nachempfunden. Das rote Tuch, auf dem die Mutter liegt, der Bademantel, den sie zu Beginn trägt , die Zuckerstreusel und die Tatsache, dass gefilmt wird. Das Publikum besteht jedoch aus Büchern mit Gesichtern drauf und meinen alten Kuscheltieren. Aus meiner lebendigen, warmen und dreidimensionalen Mutter ist ein (fast) zweidimensionaler Mann geworden mit einem iPad als Kopf, der meine Mutter zeigt und ihren Videocall überträgt. Trotz dieser unkörperlichen und kalten Unpersönlichkeit entwickelt sich zwischen uns ein sehr warmes und persönliches Gespräch, dass so vermutlich nie statt gefunden hätte und dank dieses privaten Gesprächs wird der fremde Körper mir vertraut(er).

Als Ausgangspunkt der Fragestellung diente dieses Video der Performance von Sophia Süßmilch: https://www.youtube.com/watch?v=gk3YvhAk5-M&t=1s

 

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Sophie Jentsch studiert Erziehungswissenschaft an der Universität Salzburg und schloss zuvor eine Ausbildung zur Theaterpädagogin und -schauspielerin in München ab.