Mathis Nitschke, Sofilab, München
Die Musikindustrie steht vor einem Umbruch, den ihre bestehenden Strukturen nicht bewältigen können. Während KI-Systeme heute Musik generieren, basiert ein Großteil ihres Trainings auf unlizenzierten Daten – ein Zustand, der rechtlich, ökonomisch und künstlerisch nicht tragfähig ist.
CORPUS, entwickelt von Sofilab, schlägt hier eine radikal andere Richtung ein: Es verlagert die Grundlage der Wertzuordnung vom Output auf den Input. Nicht mehr die Nutzung eines fertigen Werks durch Kopie oder Streaming entscheidet über Vergütung, sondern der Beitrag eines Musikstücks zur Lernbasis eines Modells.
Jeder Beitrag wird dabei in Relation zum bestehenden Korpus bewertet – nach Quantität, Qualität und Originalität. Diese Gewichtung bestimmt später, welchen Anteil die jeweilige Musik an den Erlösen erhält, wenn ein auf dem Korpus trainiertes Modell oder eine darauf basierende Anwendung kommerziell genutzt wird. So entsteht ein neues ökonomisches Modell, in dem Originalität, Vielfalt und künstlerische Qualität zu messbaren Werten werden.
Der Vortrag zeigt, warum bestehende Rechteorganisationen wie GEMA oder SACEM Schwierigkeiten haben, sich auf die Logik generativer Musik einzustellen, wie CORPUS das Prinzip der „Copy Logic“ ablöst und wie daraus eine Infrastruktur für eine rechtssichere, faire und skalierbare Musik–KI-Ökonomie entsteht.
Anhand konkreter Szenarien – von adaptiven Fahrzeugsounds über Musiktherapie bis zu XR-Kunst – wird deutlich, wie ein lizenzierter, diverser Musikkorpus nicht nur juristische Sicherheit schafft, sondern auch neue Märkte eröffnet.
CORPUS versteht KI nicht als Ersatz, sondern als kreativen Partner: als Werkzeug, das Künstler:innen ermöglicht, auf eine neue Art mit Maschinen zu komponieren – und dabei wirtschaftlich an deren Nutzung teilzuhaben.
Mathis Nitschke ist Komponist, Sound Designer und Musiktheatermacher. Seine Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Musik, Technologie und Raum. Nach Studien der klassischen Gitarre, bildenden Kunst und Komposition (u.a. am Königlichen Konservatorium Den Haag) realisierte er eigene Projekte und Auftragswerke, die oft neue Formate erproben: darunter die Opernproduktionen JETZT (2012) und HAPPY HAPPY (2014) für die Nationaloper Montpellier, die urbane Kurzoper Viola (2015) und MAYA (2017), das erste Mixed-Reality-Musiktheater weltweit. Als Komponist für Film und Theater arbeitet er mit Künstlern wie Michel Houellebecq, Luk Perceval, Thomas Jonigk und Claus Guth. 2015 gründete er Sofilab – ein Studio für Sonic Design und künstlerische Forschung mit Sitz in München.
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Idee, Konzeption und Organisation
Christine Bauer (Professorin für Interactive Intelligent Systems am Fachbereich Artificial Intelligence and Human Interfaces (AIHI), Leiterin PB InterMediation | Universität Salzburg)
Katarzyna Grebosz-Haring (Systematische Musikwissenschafterin | PB InterMediation, Interuniversitäre Einrichtung Wissenschaft und Kunst | Universität Mozarteum Salzburg, Universität Salzburg)
Martin Losert (Instrumentalpädagoge, Leiter Department Musikpädagogik, Leiter PB InterMediation | Universität Mozarteum Salzburg)
Die öffentlichen Vorträge werden durch begleitende Termine für Studierende ergänzt (Anmeldung siehe Plus- bzw. Moz-Online LV-Nr. 901.955).